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Montag, 5. Oktober 2015

Ruderurlaub Köyceğiz - Fethiye

Nachdem ich vor 2 Jahren bereits 2 Tage mit türkisch-österreichischen Freunden auf dem Mittelmeer in der Türkei gerudert bin, war ich dieses Jahr 9 Tage dabei. Zuvor mussten wir eine Woche lang das Boot reparieren, da es ein Holzboot ist. Es hatte armgroße Risse und alles musste geschliffen, gestopft, gekittet, gestrichen werden... Das war viel Arbeit, vor allem bei 40-50° Hitze, aber hat mich auch auf eine besondere Weise emotional mit dem Boot verbunden.
Das Boot wurde in einen Dolmuş, dem wir vorher die Sitze ausbauten, verfrachtet und wir fuhren am Meer entlang von Antalya bis Köyceğiz. Das war so eine typisch türkische Aktion. In keinem anderen Land der Welt (oder zumindest Europas), würde man so ein Boot transportieren. Die Hintertüren gingen nicht zu, daher wurde die Tür an dem Boot befestigt! Das ist die dümmste Idee die es wohl gibt, da sobald das Boot rutscht, automatisch die Tür aufgeht!
Köyceğiz liegt am See Köyceğiz Gölü. Die Stadt ist noch sehr türkisch und glücklicherweise noch nicht so touristisch. Es gibt sehr viele leerstehende Häuser, die meiner Meinung nach sehr verlockend sind zu besetzen...
Der See ist von 13 - 5 Uhr extrem stürmisch und ab 5 Uhr bis 13 Uhr super ruhig und glatt. Zum Glück hatte uns ein freundlicher alter Fischer, der vor 50 Jahren von der Krim in die Türkei geflüchtet war, rechtzeitig darüber informiert, sonst wären wir gewiss gekentert. Die Landschaft am See ist atemberaubend schön. Der See sieht aus wie das Meer. Es überrascht einen immer wieder, dass er aus richtigem Süßwasser besteht. 
Durch einen kleinen Fluss sind wir dann nach Dalyan gefahren.
Gönül Meltemi 2015
Dort haben wir einen sehr lieben halbblinden Schuhputzer kennengelernt und sind in der Pansiyon WakingLife untergekommen. Sie ist sehr weiterzuempfehlen- sehr sauber, noch sehr türkisch und familiär, sehr freundlich und preiswert. Von Dalyan ging es zum Strand von Dalyan. Er ist sehr beeindruckend. Es gefällt mir super gut, dass man von einer Seite im noch halben Süßwasser vom See/Fluss an den Strand kann und nur wenige Meter dahinter von der anderen Seite vom Meer aus an denselben Strand kann. 

Leider ist das Meer dort sehr stürmisch und wir mussten einige schlimme Nächte durchrudern in denen wir mehrmals kurz vorm Kentern und auch kurz vorm körperlichem Zusammenbruch waren. Wir konnten es nicht vorhersehen und hatten auch wirklich ein paar mal Pech, aber das hat mir gezeigt wie unberechenbar selbst das sonst so ruhige Mittelmeer sein kann. Wir waren mitten in der Nacht mitten auf dem Meer, weit von jedem Dorf und jeder begehbaren Bucht entfernt, ohne Empfang, mit extrem hohen Wellen, ohne dass jemand unseren genauen Aufenthaltsort kannte. Wir hatten im Voraus so viel geplant und dennoch hat uns diese Situation absolut überfordert. Ich war vollkommen übermüdet, überanstrengt und durch die Nässe unterkühlt und auch die anderen waren wirklich an ihren Grenzen. Wären wir nicht immer weitergerudert, wären wir gekentert und mit Sicherheit gestorben. Mir ist bewusst geworden wie schnell wir doch hätten sterben können und ich glaube wirklich in solchen Momenten an Schicksal und möchte jetzt wirklich jeden Moment genießen. 

Das nächste Dorf in dem wir hielten war Sarıgerme. Der Strand ist extrem lang und die eine Seite ist so extrem ekelhaft überlaufen, so etwas habe ich noch nie erlebt! Alles gehört privat irgendwelchen Hotelketten. Es ist so schrecklich. Leider bin ich mir sicher, dass noch sehr viele schöne natürliche türkische Buchten im Laufe der nächsten Jahre zu solchen verbauten Touri-Hochburgen entwickeln werden und ich kann weinen bei der Vorstellung in welchem Maße eine einzigartige Natur und Tradition zerstört wird! 

Etwa an der Mitte des Strandes wandelt sich das Bild total. Weg sind die Billig-Massen-Touristen, stattdessen säumen Nobelhotelketten den Strand: Robinson Club, Hilton... Über einen Fluss der in's Meer mündet besuchen täglich viele Touristen aus Dalaman den Strand. Ab 18 Uhr, wenn das letzte Boot zurück nach Dalaman ablegt, ist der Strand komplett leer und man kann es wirklich genießen. Das letzte Drittel des Strandes ist noch unberührt. Am Ende des Strandes befindet sich direkt am Wasser der Flughafen von Dalaman. Nur wenige Meter über uns sind direkt Flugzeuge geflogen und gelandet! Es ist faszinierend wie unterschiedlich doch ein und derselbe Strand ist- von Billigmassentourismus zu Luxus-Nobel-Tourismus zu Wildnis zum Flughafen. 

In der nächsten Stadt, Göcek, kamen wir in der Pansiyon Görkem Apart unter. Auch sie ist sehr zu empfehlen. Die Familie ist sehr gastfreundlich und vor allem das Frühstück ist sensationell! 

Das Ufer von Göcek ist sehr nobel und auf jeden Fall auf reiche Jachtbesitzer gemünzt. Alles ist auf nobel-italienisch gemacht. Weshalb will die Türkei denn unbedingt auf diese Weise Italien nachahmen? Überall italienische Namen, italienische Gerichte... Ist das nicht ein Verrat an der Kultur? Warum wollen Leute in der Türkei Urlaub machen, wenn sie nur ihre All-inclusive-Hotels mit Leberwurstbrot-Frühstück oder wie hier ein Italien-Imitat sehen wollen? Ein paar Meter weiter oben in der Stadt hingegen findet man das ganz normale türkische Leben. 

Die vielen vielen Inseln und Buchten zwischen Göcek und Fethiye haben mich zutiefst beeindruckt! Zwar fahren dort zwar relativ viele Segeljachten herum, doch sie stören mich wenig. Die Buchten sind so unberührt und sauber und das Wasser ist so klar. Auch die Unterwasserwelt bietet einiges zu sehen. In den Bergen direkt am Meer kann man sehr gut wandern/klettern. Ich bin große Stücke von einer Bucht zur anderen gewandert. Es gibt zwar keine Wege, ist aber trotzdem ganz gut begehbar. Wenn ich so von oben auf das Meer geblickt habe, bin ich so melancholisch geworden. Ein atemberaubender Anblick. 
Die oberen zwei Fotos habe ich mit einer Einweg-Unterwasserkamera geschossen als ich auf eine Insel geschwommen bin.
Meine Endstation Fethiye ist schon viel touristischer. Ich bin in einem Hostel untergekommen. 
der Strand von Fethiye
Teegarten Fethiye
Der Eingang dieses Hotels ist so nobel und das ist die Rückseite. Typisch türkisch... :D
Hafen von Fethiye
Besuch beim morgendlichen Schwimmen von Caretta Caretta
Nach einer 3-stündigen Fahrt mit Pamukkale (sehr guter Service - Musik, Filme, Spiele, Eis, Wasser, Pausen...) für 35TL durch absolut unbewohnte karge Gebirgslandschaft, die zwar an Afghanistan erinnert, aber trotzdem auf irgendeine Weise beeindruckend ist, kam ich am Busbahnhof Antalya an. Kurz darüber gibt es übrigens einen wunderschönen Park, in dem sehr viele türkische Familien grillen, picknicken, spielen... Super tolle Stimmung da! :) 

Am Flughafen Antalya musste ich einfach heimlich noch ein paar Sticker gegen Erdoğan und den IS aufhängen. Die türkische Politik ist wirklich das Letzte. Das Land entwickelt sich immer mehr zurück zu einem radikal islamischen verschlossenem Staat ohne Minderheiten-, Frauen- und Homosexuellenrechte. Abgesehen davon ist er extrem korrupt und alle Medien sind extrem manipuliert. Der Unterschied zwischen der Istanbuler Elite und den Menschen im Innenland wird immer größer, die Polizeigewalt ist absolut unverhältnismäßig und ungerechtfertigt und Erdoğan unterstützt den IS und bekämpft unter dem Vorwand die Kurden, die die Einzigen sind, die gegen den IS kämpfen.
Ich muss sagen, dass der Ruderurlaub zwar teilweise sehr anstrengend war, aber auf jeden Fall ein Wahnsinnserlebnis! Wir haben so viele nette Leute kennengelernt, so viele abgelegene Orte gesehen... Ich liebe die Türkei. Das Tiefblau des Meeres ist die schönste Farbe, die ich kenne, vor allem neben dem Hellgrün der Pinien, ich liebe den Geschmack und den Geruch der Luft, ich liebe die Landschaft, die Berge, Mentalität der Leute, das Wetter... Jedes Jahr fahre ich in die Türkei, ich lernte Türkisch, arbeitete dort, wohnte dort, fand so viele Freunde und Familie, ich bin in der Türkei aufgewachsen. 
Es ist so erschreckend wie jedes Jahr ein bisschen mehr von der Türkei, die ich kennengelernt habe, durch Massentourismus und unmögliche Politik zerstört wird. 
Ich bitte euch niemals in eines dieser 200€-All-inclusive-Hotels zu gehen! Ihr wisst nicht was ihr anrichtet. Ein Freund hat mal als wir am Strand saßen und auf das Meer blickten gesagt: 
"Cenneti bulmuşuz ve kaybolmuşuz."
Ich möchte den Rest der noch bleibt nicht verlieren!

Kommentare:

  1. Touristenparadies in der Türkei- Fethiye

    Die Stadt Fethiye liegt in der Türkei und ist wunderhübsch anzuschauen. Man kann an diesem Ort einmal den Blick von der Bucht auf die Stadt werfen, die im Südosten der Bucht liegt ebenso andersherum. Einst war es eine Stadt, in jener Gemüse, Chromerzen ebenso Fisch verkauft wurde, um Einkünfte zu erzielen. Dieser Tage kommen ausreichend Urlauber in diesen Teil der Türkei und sorgen für genügend Einkommen. Die Stadt hat einen faszinierenden Charme, auch wenn heutzutage eine Menge Hotels und Feriensiedlungen gebaut wurden.

    Der Tourist kann den weißen Strand Öludeniz aufsuchen, wo man selbstverständlich auch das tiefblaue Wasser nutzen kann. Ob man derbei zum Tauchen möchte, sich anderen Wassersportarten zuwendet oder einfach allein den Ausblick genießt, wenn man am Strand liegt. Der Strand ist lediglich 14 kilometer von der Ortschaft entfernt. Die Meeresbucht ist von Bergen umgeben, der wichtigste Berg ist der Vaterberg (Baba Dagí) welcher nämlich mit seinen 1969 Metern direkt aus dem Meer hinausragt.

    Wer in Fethiye Ferien macht, kann recht viel erleben. Ob man dieserfalls den Badestrand von Calis benutzt, ob man den antiken Stadtkern aufsucht. Der Tourist kann die Moschee Eski Cami besuchen, ein kleines Museum bewundern oder aber auch ein Hamam aufsuchen. Anderweitig gibt es im Zentrum unzählige Geschäfte, wie Teppichhändler, Juweliere und mehr.
    Man kann auf den Wochenmarkt, auch Basar genannt, Anziehsachen, Gemüse und Obst, Haushaltswaren und mehr einkaufen. Wer mag, kann lykrische Felsengräber besuchen oder das Hellistische Theater. Am Hafen gibt es nach wie vor eine große Anzahl alte Holzboote und selbst neue Fischerboote, die einen tollen Anblick bieten. Im Hafen bietet sich nicht zuletzt die Möglichkeit, selbst an Touren mit Doppeldecker Booten teilzunehmen und auf diese Weise noch mehr von der Türkei zu erblicken. Wenn Sie noch mehr über Fethiye erfahren möchten, besuchen Sie doch unmittelbar www.fethiyee.de . Hier warten hinreichend Informationen und Bilder auf Sie!

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    1. Es freut mich, dass Ihnen Fethiye so gut gefällt, selbst wenn es offensichtlich eher kommerzielle Gründe hat. Allerdings muss ich das Bild leider ein bisschen trüben, damit meine Leser einen realistischen Eindruck bekommen. Fethiye ist schön, der Strand ist schön, das Mittelmeer ist schön. Im Vergleich zu anderern türkischen Städten ist das Wasser des Hafens jedoch eher verdreckt und die Stadt schon ziemlich touristisch überlaufen.

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