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Sonntag, 24. Juli 2016

Weltuntergangsszenario

Dieser Blog sollte eigentlich nie ein politischer sein. Allerdings möchte ich heute dennoch die Möglichkeit nutzen und einen Tagebucheintrag veröffentlichen, den ich vor einigen Tagen geschrieben habe. Er ist sehr intim, aber diese Themen liegen mir einfach am Herzen.


Vor 2 Tagen war ein Anschlag in Nizza, die Nacht war ein Militärputsch in der Türkei. Ich denke daran, dass ich mich vor 2 Tagen mit meinem Freund gestritten habe, weil er es nicht leiden kann, wenn ich seine ‚guten’ T-Shirts anziehe. Ich denke heute nicht anders darüber. Ich finde es seltsam und unromantisch und leidenschaftslos, dass er keinen Gefallen daran findet Sachen zu tragen, die nach mir riechen. Dennoch bin ich mir vollkommen dessen bewusst und dessen sicher, dass er mich, und zwar meine Persönlichkeit, liebt und dass ich ihm am meisten auf der Welt bedeute. Und ich frage mich wie ich mich derartig darüber aufregen kann und weinen und meine Existenz anzweifeln kann, dass mein Freund ein T-Shirt nicht anziehen möchte, während zur gleichen Zeit um mich herum die Welt untergeht. Ich gehöre zu den gebildetesten Wesen auf diesem Planeten und auch zu den wohlhabendsten. Es ist schon ein Zufall, dass ich ausgerechnet ein Mensch bin, aber dass ich auch noch in Deutschland lebe und hier zur ‚Bildungs-Elite’ zähle ist schon ein Wunder. Und trotzdem bin ich so unheimlich kurzsichtig.

Ich hatte immer nur zwei Zielsetzungen in meinem Leben. Entweder persönliches Glück, was ich bis vor Kurzem für sehr unwahrscheinlich hielt, oder die Welt zu retten, was (auch wenn es objektiv gesehen vielleicht andersherum erscheinen mag) tatsächlich einfacher schien. Es ist schon absurd, dass ausgerechnet jetzt wo ich das Eine habe, das Andere so unerreichbar scheint. Es ist eine Idiotie dass ich ausgerechnet jetzt meine Lebensplanung so grundsätzlich umgestellt habe und nicht mehr berühmt werden möchte oder in die Geschichte eingehen oder Bodhi erreichen, sondern nicht mehr möchte als ein ruhiges und halbwegs gesundes und glückliches Leben mit meinem Freund und ein Kind was ein Teil von mir und demjenigen ist, den ich am meisten liebe. Ich realisiere, dass ich keine Chance habe mein persönliches Glück umzusetzen, denn obwohl es so nah scheint, ist es ferner denn je und egoistischer denn je noch ein neues Kind in diese Welt zu setzen. Und zwar nicht nur aus dem Grund, dass all die Probleme dieser Welt definitiv nicht an den Umständen liegen, sondern an uns, den Menschen, und nicht nur weil es schon viel zu viele von uns hier gibt und wir erst einmal denen gerecht werden sollten, die schon da sind. Sondern auch, weil ich um keinen Preis möchte, dass ein Kind, vor allem eines, dass das Produkt von meinem Freund und mir wäre und somit für mich das Wertvollste auf der Welt und ein Wunder, jemals in einer Welt aufwachsen muss, die noch schlimmer ist als die jetzige. Ich kann mir schlimmer als jetzt nicht vorstellen. Als ich klein war dachte ich die Welt wäre schlimm. Aber ich habe mich geirrt. Sie war Gold gegen heute. Und ich sehe keinen Weg all das jemals wieder in den Griff zu kriegen. Es wird nie besser werden, alles wird auf Dauer nur immer immer schlimmer. Und ich frage mich wie lange noch und wann das Fass voll ist. Ich hoffe nur dass K.I.Z. Recht behalten und es nach dem Weltuntergang alles besser und einfacher wird.

Jeden Tag werden 36000 ha Regenwald unwiederbringlich gerodet. Es sterben jeden Tag 120 Arten aus, die die Aufgabe ‚Herrscher über die Welt’ vermutlich besser gemacht hätten als wir. Jeden Tag werden Tiere auf engstem Raum gehalten, leben in ihren Fäkalien und den Überresten ihrer Artgenossen, verkrüppeln, werden mit Antibiotikum vollgepumpt, misshandelt und geschlachtet lediglich für Geschmack. Jeden Tag schmilzt ein Stück mehr Eis und ein Stück mehr Land von Bangladesch geht unter. Eisbären sterben, Fische sterben, Bienen sterben, Zecken werden mehr. Sagt das nicht alles? In der Sahelzone nimmt die Wüste zu und in Deutschland der Regen. In Rumänien, der Türkei und zig anderen Ländern werden jedes Jahr massig Katzen und Hunde geboren und jedes Jahr genauso viele erschossen, bei lebendigem Leibe verbrannt oder verhungern. In Asien und Afrika verhungern jeden Tag 24.000 Menschen. Und das liegt nicht daran dass es nicht genug zu essen gäbe. Die Welt könnte dreimal ernährt werden. Sondern es liegt an dem Konsumwahn unserer westlichen Länder. Millionen Kinder sterben jedes Jahr an Mangelernährung, obwohl sie mittels wissenschaftlicher Erkenntnisse wie z.B. goldenem Reis lange ausreichend versorgt werden könnten. Und diese Konzepte setzen sich nicht nicht durch, weil irgendjemand an der Umwelt interessiert ist. Das ist eine Illusion und schlicht Marketing. Goldener Reis setzt sich nicht durch, weil Greenpeace etc. auch nur eine Organisation ist die auf Profit aus ist, wie jede andere Firma auch. Die Weltherrschaft liegt nicht in der Hand von Regierungen und auch nicht in der Hand vom Militär und erst recht nicht in der des Volkes, sondern in der Hand von Großkonzernen und von denen gibt es immer weniger und immer Mächtigere. Jedes Jahr wird ein weiterer Strand in der Türkei und in vielen vielen anderen Ländern gerodet, um dort einen neuen Betonklotz für Neckermann hinzubauen, in dem die Leute dann für 1€-Stundenlohn ihr Leben lang arbeiten können, damit dicke westliche Touristen morgens früh Gesichtswurst frühstücken können und Geld in Neckermann etc. fließt. Im Kongo werden jeden Tag Dörfer niedergebrannt, Zivilisten abgeschlachtet, Jungen zu Kindersoldaten und Frauen vergewaltigt und versklavt, was von unserem neuem Drang wieder ein neues Handy, was nämlich diesmal ein goldenes Cover hat, kein pinkes, zu kaufen finanziert wird. Alle meine Freunde kaufen sich aller mindestens jeden Monat neue Kleider, die sie nicht brauchen, wovon alle Arbeiter in Bangladesch, Indien, Pakistan, Ägypten, Kasachstan, Usbekistan, Peru, Honduras, Brasilien, China, Taiwan, Tunesien, Malaysia, der Sahelzone und und und, die daran mitgewirkt haben, zusammen 13% des Geldes kriegen. Kinder haben keinen Zugang zu Bildung in großen Teilen der Welt, vor allem Mädchen nicht. Überall, selbst in meinem Dorf, werden viel zu viele Frauen vergewaltigt und/oder geschlagen. Jeden Tag werde ich von irgendeinem Schmiersack, der sich zu 100% für mächtiger hält als ich, sexuell auf irgendeine Weise angemacht. Jeden Tag müssen sich Frauen prostituieren, Mädchen werden genitalverstümmelt selbst in Europa aus sogenannten 'Glaubensgründen' und jedes Jahr kauft sich ein anderer fetter hässlicher dummer Sack aus meiner Straße eine neue Thailänderin. Es werden Menschen vor Gerichten zu Tode verurteilt und von Geheimorganisationen ‚zivilisierter’ Staaten gefoltert. Jedes halbe Jahr gibt es einen neuen Amoklauf in den USA und das steht natürlich in keinem Zusammenhang mit der NRA. Im Gegenteil, ohne die NRA würde Chaos herrschen. Soziale Disparitäten nehmen auf der ganzen Welt zu und in den Staaten werden 10mal häufiger Schwarze wegen dem Besitz von Cannabis verhaftet als Weiße, wobei beinahe doppelt so viele Weiße Cannabis konsumieren. Rassismus ist nicht besiegt. Wir sind nicht aufgeklärt und nicht tolerant. Noch heute kam eine Frau und hat lauthals braune Parolen auf der Straße vor meinem Arbeitsplatz herumgeschrien, ein Wutbürger.

Verhütung und Abtreibung erst recht sind Werke des Teufels, laut dem Papst, weshalb jetzt noch mehr philippinische Kinder verhungern. Mein ehemaliger Oberstufenlehrer, einer der gebildetsten, interessiertesten und mitfühlendsten Menschen die ich kenne, kann Homosexualität nicht akzeptieren, Bahnlärm ist schlimm und Windräder erst recht. Dagegen protestieren die Leute. Cannabis ist der Teufel persönlich. Und das größte Bohei wird um Rentner gemacht, die für die Flüchtlinge bauchtanzen.

Das war der Ausgangszustand. (Ok, der Bauchtanz ist neu, aber es gab schon immer vergleichbare Events.) Zu dieser Zeit wusste ich dass die Welt scheiße ist, aber ich hatte noch Hoffnung sie zu ändern und dass alles wieder gut wird. Ich habe immer an die Menschlichkeit geglaubt und an Kampfgeist und Liebe und ein HappyEnd. Und ich habe immer vor jedem daran appelliert. An Hoffnung. Und die Macht des Einzelnen – als Demonstrant, als Nachbar, Ehemann, Elternteil oder Verbraucher. Zu dieser Ausgangssituation kamen nun der IS, die Flüchtlingskrise, der Ukrainekonflikt, Erdogan, Donald Trump und der Untergang der EU hinzu. Das hätte ich mir niemals ausgemalt. Ich dachte ich wachse in Zeiten des Friedens auf und das bin ich auch. Aber diese Zeiten sind leider vorbei. Die Welt spielt verrückt. Überall ist Krieg, alle Menschen flüchten und überall sind Anschläge. Und es ist nicht nur skrupelloser Krieg, sondern die Menschen leiden auch allesamt unter Gehirnversagen. Was ist mit den Israelis kaputt und was mit den Türken und was mit all diesen armen Menschen, die gerne Moslems wären, aber zu dumm dafür sind und deshalb unterdrücken und/oder morden? Die Welt steht nicht nur physisch Kopf, sondern auch psychisch. Aber eigentlich könnte doch Google oder Facebook die Welt retten, die kennen ja eh jeden Gedanken jedes Menschen. Da sie aber auch kein Interesse daran haben die Welt zu retten solange sie keinen persönlichen Gewinn daraus schlagen (und dieser muss sich noch mindestens für die kommende Generation abzeichnen, sonst ist das zu hoch für Menschen) werden wir uns wohl entweder gegenseitig atomar in die Luft bomben oder an der Klimaerwärmung eingehen oder von Robotern versklavt werden.

In diese Welt, in diese Zukunft, darf ich kein Kind setzen. Ich möchte aber ein Kind und ich habe beschlossen mich nicht versklaven zu lassen und dem Buddhismus den Mittelfinger zu zeigen. Ich werde die Tatsache dass Leben Leiden ist nicht länger akzeptieren. Zumindest nicht in dem Maße, denn das ist keinesfalls ausgeglichen. Kraftklub singt Scheiße. Es gibt sogar viel zu viel für dass man dringend kämpfen müsste. 

Diesen Artikel habe ich vor einigen Tagen entdeckt. Er bringt im Prinzip auch auf den Punkt was ich mit meinem Tagebucheintrag sagen wollte, nur natürlich wesentlich besser formuliert...
http://www.zeit.de/2016/31/terrorismus-globale-krisen-brexit-europa-tuerkei-chaos-putsch

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